Säulen

Die ganzheitliche Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp ist zur vorbeugenden Gesundheitserziehung sehr gut geeignet. Kindergartenkinder können spielerisch und alltäglich lernen, Eigenverantwortung für die Gesundheit zu übernehmen.
Nach der Kneipp’schen Lehre ruhen unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden auf fünf Säulen:     
Wassertherapie, Bewegung, Ernährung, Pflanzenheilkunde, Lebensordnung.



Säule: Wasser


Wasseranwendungen stärken die Abwehrkräfte, wirken ausgleichend und belebend auf Herz/Kreislauf- und Nervensystem.
Wasseranwendungen fördern das Wohlbefinden und können Beschwerden lindern helfen

Wie wird eine Kneippanwendung durchgeführt?

Jede Gruppe hat einmal wöchentlich einen „Kneipptag“, der mit dem Turntag kombiniert ist.
Auf folgende Grundregeln wird dabei besonders geachtet:

1.   Einfühlsam:
Je jünger und zarter ein Kind ist, umso vorsichtiger und einfühlsamer mit kaltem und warmem Wasser umgehen

2.   Nur auf warme Haut:
Kaltanwendungen immer nur auf warme Körperhaut

3.   Wiedererwärmung:
Nach der Anwendung für schnelle Wiedererwärmung sorgen( Bewegung, Kleidung, Bett). Es darf kein starker Wärmeverlust entstehen.

4.   Stärke der Wirkung:
Anwendungen wirken umso stärker
- je weiter sie von der Körpertemperatur (37 Grad) entfernt sind
- je länger das Kind dem Reiz ausgesetzt ist
- je größer die betroffene Körperoberfläche ist

5.   Langsam steigern:
Wenn Sie mit Kneipp-Anwendungen beginnen, dann beginnen Sie mit leichten Reizen, die Sie ganz allmählich steigern

6.   Auf Reaktionen achten:
Achten Sie bei jeder Anwendung auf die Reaktionen des Kindes und dosieren Sie die Anwendung entsprechend

7.   Regelmäßige Anwendungen:
Regelmäßige milde Anwendungen wirken wesentlich besser als alle paar Wochen eine starke Anwendung. Die Wiederholung bringt die erhofften Erfolge

8.   Spaß und Freude:
Jede Anwendung ist nur sinnvoll, wenn das Kind mit Freude dabei ist, sich wohl fühlt und wenn es ihm Spaß macht. Ängste bei einer Kneipp-Anwendung sind fehl am Platz.

 

Taulaufen/Schneetreten:

Frühmorgens, wenn die Kinder im Kindergarten angekommen sind, treffen wir uns in der vorbereiteten Garderobe, ziehen unsere Schuhe und Socken aus, alles andere lassen wir unbedingt an und beginnen uns aufzuwärmen. Danach wird barfuss durch unseren Garten marschiert, Füße werden gut hochgezogen, wie im Storchenschritt – Erzieherin geht voran! Im Winter wandeln wir das Ganze zum Schneegehen um; wir gehen langsam und bewusst.
Anschließend geht es zurück in die Garderobe, dort ziehen wir unsere Kneippsocken über und erwärmen unsere Füße und unseren Körper wieder. Danach ziehen wir uns aus (Jacken, Mütze, usw.) geben unsere Kneippsocken in die Tasche zurück und gehen ins Gruppenzimmer.

 

Armbad:

Unser Kneipptag ist mit dem Turntag gekoppelt, d.h. die Kinder sind geteilt, also ca. 13 Kinder im Turnraum – nach den Bewegungs- und Erwärmungsübungen steht unsere Wanne mit kaltem Wasser erhöht auf einem kleinen Tischchen. Das einzelne Kind ist im Turnhemd oder T-Shirt mit kurzen Ärmeln und es wird nachgeschaut, ob jedes einzelne warme Hände hat. Die Kinder stellen sich hintereinander hinter der Wanne auf, das Kind nimmt seinen rechten Arm hoch, atmet dabei tief ein. Beim Ausatmen wird der Arm ins Wasser getaucht etwa bis zu Mitte des Oberarms, anschließend der linke Arm. Sobald alle beide im Wasser sind, werden sie mühlenartig bewegt und das Kind zählt langsam bis zehn. Danach werden die Hände abgestriffen und wieder folgen Erwärmungsübungen, die das Kind selbst entscheiden darf, bis seine Hände wieder gut warm sind. Nach dem Anziehen gehen die Kinder wieder in den Gruppenraum zurück.

 

Wechselfußbad:

Dieses können bei uns immer vier Kinder machen – Wannen usw. wurden schon vom Personal vorbereitet, die Kinder ziehen sich um, d.h. sie stülpen ihre Hosen weit hoch oder ziehen kurze Turnhosen an. Die Wannen (warm – kalt – warm – kalt) gefüllt, stehen in einer Reihe, vor jeder Wanne steht ein Stuhl, am Boden liegt eine Matte oder das Handtuch des Kindes, Kneipptasche und Socken liegen unter dem Stuhl.
Wir beginnen mit der warmen Wanne – beide Beine werden gleichzeitig in das warme Wasser eingetaucht und bleiben fünf Minuten drin. In dieser Zeit läuft meine Zeitschaltuhr und ich lasse nebenbei med. Musik laufen. Wenn die Zeitschaltuhr klingelt, heben wir unsere Beine hoch, streifen sie kurz ab und wechseln ins kalte Wasser, die Kinder zählen dabei bis zehn, danach noch mal ins warme und ins kalte Wasser, wie vorher beschrieben. Die Wannen sind groß genug, dass immer zwei Kinder gleichzeitig in einer Wanne sind. Nach dem Bad streifen wir das Wasser kurz ab, ziehen unsere Kneippsocken an und bewegen uns tüchtig, oder wir kuscheln in unser Bett und reiben unsere Füße gegenseitig, bis sie wohlig warm sind. Danach wird sich umgezogen und unsere Kneipptasche wieder aufgeräumt.

 

Knieguss:

Man beginnt an der rechten kleinen Zehe, führt den Strahl seitlich hoch bis handbreit über das Knie. Dort wird der Schlauch leicht hin- und herbewegt, wodurch die Wade einen glatten Wassermantel erhält. Nun den Fuß leicht nach außen drehen und den Schlauch zur Innenseite des Oberschenkels führen und hier auch drei- bis viermal hin- und herbewegen und die Wade von dieser Seite begießen. Über die Beininnenseite abwärts zur großen Zehe Guss beenden. Dann folgt in gleicher Weise der linke Fuß. Als Abschluss beide Fußsohlen begießen.

 

Wassertreten:

Vorbedingung sind warme Füße.  Brunnenfrisches Wasser etwa 30 cm hoch in den Eimer füllen, die Unterschenkel sollen bis zur Hälfte eingetaucht sein. Im Storchenschritt hebt man abwechselnd einen Fuß nach dem anderen immer ganz aus dem Wasser, die Zehenspitzen zeigen nach unten. Wasser abstreifen, sofort wärmende Fußbekleidung anziehen und für Wiedererwärmung sorgen.

Bewegung schafft Ausgleich, baut Stress ab, führt zu geistiger Entspannung.
Bewegung ist gut für die körperliche Entwicklung und bietet die Möglichkeit der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt und dem Körper.


Säule: Bewegung


Welche Angebote bieten wir den Kindern?


Immer montags findet bei uns ein Erlebnistag statt – außerdem gehen wir täglich bei jedem Wetter vor dem Nachhausefahren nochmals in den Garten. Regelmäßige Waldtage (pro Gruppe einmal im Monat) finden statt und zweimal im Jahr eine Waldwoche (Frühjahr und Herbst). Zusätzlich machen wir noch Ausflüge und fahren Rad und bieten nachmittags Psychomotorik an.



Säule: Ordnung

Ordnung soll Ausgleich schaffen, der Ruhe und Muse Raum geben, das Kind soll Entspannung und soziale Geborgenheit finden. Ordnung fördert die seelische Stabilität und stärkt das Selbstbewusstsein.
Was bieten wir den Kindern dazu an?

Wohlfühl-Atmosphäre schaffen
Zeit haben für das einzelne Kind
Angebote wie Musik, Märchen erzählen, Raumgestaltung,
Basteln, Malen, Geschichten hören,
Farben, Jahreszeitenrhythmus, Ruhepausen
Feste, Gottesdienste, Projektpräsentation



Säule: Ernährung

Gesunde Ernährung trägt dazu bei, dass viele Krankheiten vermieden werden. Der Körper wird mit reichlich Vitaminen, Ballaststoffen und Mineralien versorgt. Die Kinder lernen Vollwertkost kennen. Ernährung fördert das körperliche Wohlbefinden. Das Auge isst mit (frische Produkte --- nett zubereitet)

Welche Angebote bieten wir den Kindern an?

Normalerweise findet bei uns die gleitende Brotzeit statt. Einmal im Monat gibt es jedoch ein gemeinsames gesundes Frühstück. Die Zutaten werden entweder eingekauft oder von den Kindern mitgebracht. Nach dem Morgenkreis werden diese gemeinsam geschnitten, gehobelt, geschält, Brote gestrichen ... und alles liebevoll auf Tellern zu einem Buffet arrangiert. Wenn alles fertig ist, begeben wir uns gemeinsam zum gedeckten Tisch, beten miteinander und verzehren es, wer seinen Teller leer hat, holt sich selbstständig Nachschub.

Kochen und Backen mit allen Kindern, z. B. an Geburtstagen, vorweihnachtliches Backen mit Müttern, ...

Jährlicher Zahnarztbesuch 

Getränkeangebot: Es werden täglich im Kindergarten Getränke wie Apfel-, Trauben- oder Orangenschorle, Wasser, Tee und Milch angeboten

Außerdem wird noch der Milchtag angeboten, an dem Milch verarbeitet und angeboten wird, z. B. in Form von Pudding, Kaba, Müsli,...

 

 Säule: Kräuter

Das Interesse für Kräuter und Heilpflanzen soll geweckt werden und die Nutzung zum Kochen und Heilen soll kennen gelernt werden. Die Kräfte der Kräuter bringen Körper und Seele ins Gleichgewicht.

Was bieten wir den Kindern an?

Wir sammeln Kräuter und Pflanzen je nach Jahreszeit, erklären den Kindern deren Bedeutung, bringen ihnen den Namen bei und verarbeiten diese. Bevorzugte Kräuter und Pflanzen im Kindergarten sind z.B. Holunder, Zitronenmelisse, Pfefferminzmelisse, Löwenzahn, Kresse, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Lavendel....
Besonders in den Frühjahrsmonaten können wir viele davon bei Spaziergängen auf der Wiese finden und sammeln. In unserem Kindergartengarten befindet sich außerdem eine angelegte Kräuterschnecke in der wir u. a. Zitronenmelisse, Pfefferminzmelisse und Schnittlauch angebaut haben und regelmäßig mit den Kindern ernten und verarbeiten. Ihnen wird gezeigt, wie man sie wäscht, schüttelt und schneidet; verschiedene Rezepte werden ausprobiert, vom Tee und der Holunderlimonade bis hin zum Löwenzahnhonig.......

Rezept Löwenzahnhonig:

100 g Löwenzahnblüten
½ l Wasser
500 g Zucker
Saft von 1 Orange


Die äußeren grünen Hüllblätter abzupfen, sie schmecken bitter. Die gelben Zungenblüten abstreifen, 6 min. in Wasser kochen, in ein Sieb gießen und ausdrücken. Anschließend den goldgelben Sud mit Zucker und Orangensaft 15 Min. zu Sirup einkochen. Honig noch heiß in Gläser füllen.

Der Kräutersud lässt sich leicht in kleinen Portionen einfrieren und später
zu Honig oder Gelee weiterverarbeiten.


Kneipplied

Wer will gesunde Kinder seh'n,
der muss in den Kindergarten geh'n.
|: Kneipp hält fit, Kneipp hält fit,
ja, da machen alle mit.:|

Wer will gesunde Kinder seh'n,
der muss in den Kindergarten geh'n.
|: Steiget ein, steiget ein,
in das Wasser klar und rein.:|

Wer will gesunde Kinder seh'n,
der muss in den Kindergarten geh'n.
|: Warm und kalt, warm und kalt,
so wird man 100 Jahre alt.:|

Wer will gesunde Kinder seh'n,
der muss in den Kindergarten geh'n.
|: sammelt ein, sammelt ein,
denn Kräuter müssens auch noch sein.:|

Wer will gesunde Kinder seh'n,
der muss in den Kindergarten geh'n.
|: Wir essen Quark, wir essen Quark,
Obst und Gemüse macht uns stark.:|

Wer will gesunde Kinder seh'n,
der muss in den Kindergarten geh'n.
|: Auf und ab, in die Knie,
mit Bewegung läuft's wie nie.:|